Sergej Rube

Sergej ist Softwareentwickler und Geschäftsführer von codeunity
17.09.2020 | 3 min Lesezeit

Wie 200€ Google Ads zu einem Telefonat mit einem 81-jährigen führten

Praxisbericht einer Google-Ads Kampagne

Ja, ich muss zugeben, die Überschrift ist schon ein bisschen Clickbait. Allerdings ist die Geschichte tatsächlich wahr und für mich wirklich einzigartig, sodass ich sie euch nicht vorenthalten wollte.

Während der Corona-Pandemie gingen bei uns die Anfragen nach Workshops und neuen Aufträgen langsam zurück. Wir überlegten, was wir dagegen tun könnten und kamen so auf eine naheliegende Idee: Wir promoten unseren UX-Workshop und bieten dabei ein kostenloses Briefing an. Kostenlos aus zwei Gründen: Einerseits waren die Menschen durch die Corona-Pandemie weniger investitionsfreudig, sodass wir erstmal einen Anreiz für eine risikofreie Kontaktaufnahme schaffen wollten. Andererseits wussten wir, dass die Leute wiederkommen, wenn ihnen etwas gefällt – das war natürlich unsere Hoffnung. Nun, wie lockt man mehr Menschen auf seine Website? Probieren wir Google Ads. Das machen ja sogar die Großen… Ich persönlich klicke zwar nie auf die Vorschläge von Google Ads, aber es wird ja sicherlich jemanden geben der das tut, dachte ich.

Das Prinzip war einfach: Wir investieren täglich 12 Euro in unsere Google Ads Kampagne. Google schaltet im Gegenzug bei Suchanfragen nach UX, Use-Case-Analysen und Workshops Anzeigen für unseren UX-Workshop. Jeder, der auf eine solche Anzeige klickt und dann auf unserer Workshop Landingpage ankommt, kann seinen Namen und seine E-Mail Adresse hinterlassen. Daraufhin melden wir uns beim Interessenten und erklären den Ablauf des “kostenlosen Briefings”.

Anzeige
Abbildung 1: Die geschaltete Anzeige

Als die Anzeige geschaltet wurde, hatte ich noch schnell einen neuen pausible.io Account erstellt, um die Besucherzahlen auf unsere Website zu überprüfen. Man sieht ganz klar, dass sich im Juli mehr Menschen auf unserer Website tummelten. Für mich war es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir das erste Briefing durchführen würden.

Statistik
Abbildung 2: Die Besucherzahlen im Juli gingen hoch

Die ersten Anfragen trudelten ein: Bereits beim Betrachten des Namens und der E-Mail Adresse überlege ich mir, wer die Person ein könnte, die dahinter steckt. So suchte ich also nach dem Namen eines Interessenten und fand einen Eintrag bei stayfriends (Einem Portal wo sich frühere Schulkameraden finden können) : Grundschule 1945 - 1949 😁

Das kann nicht sein, dachte ich…

Nach ein paar E-Mails und dem ersten Telefonat stellte sich heraus, dass der gute Herr tatsächlich 81 Jahre alt war und Hilfe für seine Website benötigte. Wir machten einen Termin für ein Microsoft Teams Meeting aus. Der Mann war spürbar erleichtert, dass ich ihn trotz seines Alters kontaktiert hatte.

In unserem Meeting am darauffolgenden Tag erklärte mir der Herr, dass bei seiner Website, die er mit Microsoft Frontpage erstellt hat, das Flash-Menü nicht mehr funktioniert. Ich dachte zunächst, es handele sich um einen Scherz und verdächtigte schon meine Kollegen. Aber nein: Es war wirklich ein 81-jähriger Mann, der eine Website betreibt und bei einer Google-Suche nach “css menü” auf uns gestoßen war. Verrückt, dass er so bei uns landet. Verrückt, dass es 81-jährige gibt, die eine Website betreiben. Und verrückt, dass Google dafür 200 Euro verlangt ;)

Letztlich habe ich ihm den Tipp gegeben, dass Flash Menü durch eine Liste an Links zu ersetzten. Er kannte die HTML Tags auswendig 😳, hatte es aber nicht mehr auf dem Schirm, sein Menü auf diese Weise aufzubauen. Ich habe seine Website heute besucht. Er hat es echt hinbekommen. Ich bin stolz auf diesen Opi. Ich will mit 81 Jahren auch noch so wissbegierig sein.

Wir haben durch die Google Ads Kampagne leider keinen neuen Auftrag gewonnen. Aber die Geschichte hier war es allemal wert.